formale Soziologie

formale Soziologie,
 
reine Soziologie, eine ältere theoretische Richtung der allgemeinen Soziologie, die in Anlehnung an die von I. Kant vorgenommene Unterscheidung von Form und Inhalt insbesondere von G. Simmel zur Abgrenzung der Soziologie gegenüber anderen, inhaltlich spezialisierten Sozialwissenschaften entwickelt worden ist. Den eigenständigen Objektbereich der Soziologie bilden demnach Formen der Vergesellschaftung, die als überdauernde Gestaltungen sozialer Wechselwirkungen (Über- und Unterordnung, Konkurrenz, Streit, Freundschaft u. a.) analytisch den kulturspezifischen, geschichtlich wandelbaren Inhalten des gesellschaftlichen Zusammenlebens gegenübergestellt werden. Der formalen Soziologie standen F. Tönnies mit seinen beiden begrifflichen Grundformen »Gemeinschaft« und »Gesellschaft«, L. von Wiese mit seiner Beziehungs- und Gebildelehre sowie A. Vierkandt nahe.
 
 
F. Tönnies: Gemeinschaft u. Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie (81935, Nachdr. 1991);
 L. von Wiese: System der allg. Soziologie als Lehre von den sozialen Prozessen u. den sozialen Gebilden der Menschen (41966);
 G. Simmel: Gesamtausg., Bd. 11: Soziologie (21995).

Universal-Lexikon. 2012.

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